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Dorfzerstörung und Relokalisierung durch Braunkohletagebau in konzeptionellen biografischen und kollektiven Kontexten von Raum, Ortsbezügen und Nachbarschaft

Autor :Heidrun Gode-Luerßen
Herkunft :OvGU Magdeburg, Fakultät für Geistes- Sozial- und Erziehungswissenschaften
Datum :21.04.2009
 
Dokumente :
Dataobject from HALCoRe_document_00006959
 
Typ :Dissertation
Format :Text
Kurzfassung :Die durch Braunkohletagebau / Überbaggerung evozierte Zerstörung einer ausgewählten Lokalität in Mitteldeutschland Ende der 60er Jahre (das Dorf "Kohlenleben")wird mit biografisch-narrativen Verfahren (Fritz Schütze), ethnografiebezogenen Methoden und dokumentenanalytisch rekonstruiert und analysiert. Die Biografieanalysen der vom Zerstörungsprozess betroffenen und umgesiedelten DorfbewohnerInnen ergeben folgende biografierelevanten und kollektiv wirksamen Erkenntnisse: Sie belegen den Verlust historisch gewachsener Ortsbezogenheiten und die Zerstörung symbolisch bedeutsamer Ortsbezüge aufgrund von bedeutsamen Figurationsverlusten (Elias & Scotson) im historisch gewachsenen nahen Sozialraum. Es werden von den umgesiedelten DorfbewohnerInnen an den neuen Standorten des Wohnens veränderte Nachbarschaftskonzeptionen etabliert und lebensweltlich Räume neu konnotiert. Die den BewohnerInnen bürokratisch zugewiesenen, voneinander separierten Areale eines neu konstruierten LPG-Dorfes und eines Plattenwohnbaus in der Kreisstadt bzw. die von anderen Umgesiedelten getroffenen individuellen Wohnraumlösungen entwickelten für die neuen BewohnerInnen jeweils unterschiedlich wirksame Möglichkeiten, sich biografisch und sozialräumlich neu zu verorten. Identifizierbar wird eine elementare Sozialraumsicherung, welche die untereinander divergierenden biografischen Handlungsschemata der Umgesiedelten überformt. Der erzwungene Traditionsabbruch und der durch Dorfzerstörung und Umsiedlung eingeleitete Modernisierungsschub implizieren für die Umgesiedelten zwar spezifisch konstruierte sozialräumliche Lebensentwürfe, aber auch gemeinsame kategoriale Muster von sozialen Konstruktionen wie die Mehrgenerationalität des Wohnens oder die Etablierung einer biografisch und kollektiv sinnstiftenden Kleingartenkultur. Eine spezifisch konstruierte Opferperspektive bildet die retrospektive Klammer des kollektiven Gedächtnisses zur zerstörten dörflichen Gemeinschaft, kann jedoch die dauerhafte Separierung der Erinnerungskulturen des früheren LPG-Dorfes von denen der Stadtbewohner und den früheren Tagebaubeschäftigten nicht verhindern.
Schlagwörter :Biografieanalysen nach Fritz Schütze, Biografiearbeit und kollektives Gedächtnis zur Sicherung von symbolischen Ortsbezogenhei
ten, Dorfzerstörung und Umsiedlungen durch Braunkohletagebau in DDR, Kulturelle Vermittlungsarbeit nach Dorfzerstörung: Heimat-
feste und Ortschronisten, Neuformierung von Nachbarschaft und lebensweltliche Neukonnotation von Räumen, Spezifisch konstruierte
Opferperspektive als retrospektive Klammer des kollektiven Gedächtnisses, Umsiedlung in LPG-Dorf und städtischen Plattenbau
Rechte :Dieses Dokument ist urheberrechtlich geschützt.
Größe :500 S.
 
Erstellt am :23.06.2009 - 07:32:18
Letzte Änderung :22.04.2010 - 08:07:55
MyCoRe ID :HALCoRe_document_00006959
Statische URL :http://edoc.bibliothek.uni-halle.de/servlets/DocumentServlet?id=6959