Die Dissertation stellt die These auf, dass auch wenn sich grafische/virtuelle Fabrikmodelle in naher Zukunft kostengünstig erzeugen und auf einem aktuellen Stand halten lassen, der Nutzen dieser Modelle, außerhalb der heute üblichen Funktionalitäten der Digitalen Fabrik eher gering und auf Zwecke der Visualisierung und Anordnungsplanung beschränkt bleiben wird. Zudem erscheint die Verfeinerung der Visualisierung bzw. grafischen Darstellung von Fabrikelementen aus Sicht der operativen Fabrikplanung und des Fabrikbetriebes mit einem abnehmenden Grenznutzen verbunden zu sein. Der eigentliche Nutzen einer virtuellen Fabrik wird in Zukunft vielmehr aus Anwendungen hervorgehen, die Tätigkeiten der Fabrikplanung und des Fabrikbetriebes mit Hilfe des digitalen Modells kontinuierlich und unmittelbar unterstützen. Eine unabdingbare Voraussetzung ist dabei die Implementierung von Wissen und Informationen in das digitale Fabrikmodell, welches situationsspezifisch bereitgestellt wird. Die Wissensrepräsentation und Informationsbereitstellung in grafischen sowie virtuellen Fabrikmodellen wurde bisher nur unzureichend vorangetrieben. Die Forschungs- und Entwicklungsaufgabe bestand demnach in einer methodisch und softwaretechnisch unterstützten Wissensverarbeitung in digitalen Fabrikmodellen. Dies geschieht durch eine Verknüpfung von Objekten im Modell mit Wissens- bzw. Informationsbausteinen. Je nach Aufgabenstellung wird so das Wissen gezielt bereitgestellt. Neben datenbankorientierten Informationsmodellen muss für die Wissensverarbeitung ein Modell der Fabrik nach produktionstechnischen Gesichtspunkten vorhanden sein. Für die Erstellung eines solchen Modells wurde eine objektorientierte Modellierungsmethode entwickelt. Mit Klassifikationen, Semantischen Beziehungen und einer Prädikatenlogiken integriert sie zusätzlich mehrere Formen der Wissensrepräsentation, mit welcher der hohen Komplexität von Beziehungen in einem Fabriksystem Rechnung getragen wurde. Letztendlich kommt es darauf an praxistaugliche Lösungen für den Einsatz der entwickelten Modellierungsmethode und des prototypisch umgesetzten Softwaresystems zu finden. Für die Kernaktivitäten im Umgang mit Wissen (Wissen erzeugen, Wissen speichern, Wissen verteilen und Wissen anwenden) wurde entsprechende Anwendungen des Modells beschrieben.