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Akustisches Diskriminierungslernen bei der Mongolischen Wüstenrennmaus : Proteinsyntheseabhängigkeit und Veränderungen der Genexpression im Hörkortex

Autor :Michaela Kraus
Herkunft :OvGU Magdeburg, Fakultät für Naturwissenschaften
Datum :18.12.2002
 
Dokumente :
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Typ :Dissertation
Format :Text
Kurzfassung :Die Konditionierung des Mongolischen Gerbils zur Diskriminierung von linear frequenzmodulierten Tönen (FM) ist ein wichtiges Tiermodell für die auditorische Hirnforschung. In der hier vorliegenden Arbeit sollte die Bedeutung des Hörkortex für die Richtungsdiskriminierung von FMs untersucht werden. Um die Rolle von zerebraler Proteinsynthese für das Gedächtnis der FM-Diskriminierung zu untersuchen, erhielten Gerbils nach dem Lernexperiment bilaterale Injektionen des Proteinsyntheseinhibitors Anisomycin (ANI) in den auditorischen Kortex (AC). Im Vergleich zu Kontrolltieren zeigten die ANI-behandelten Gerbils Defizite in der Diskriminierungsleistung in nachfolgenden Sitzungen. Sie waren zwar in der Lage, innerhalb einer Trainingssitzung ihre Diskriminierungsleistung deutlich zu verbessern, im Gegensatz zu Kontrolltieren begannen sie jedoch jede neue Sitzung wieder auf niedrigem Niveau. Wenn vortrainierten Tieren nach dem Training ANI appliziert wurde, dann war die Diskriminierungsleistung an den nach folgenden Tagen ähnlich der an den Tagen vor der Injektion gemessenen. Das deutet darauf hin, dass die Retention, Abrufung und die Expression der etablierten Reaktion nicht beeinträchtigt waren. Eine Verbesserung der Reaktion, wie sie für Kontrolltiere beobachtet werden konnte, war jedoch über Tage gestört. Intrakortikale Injektionen eines weiteren Inhibitors der Proteinsynthese, Emetin (EME), bestätigten dieses Ergebnis. ANI oder EME beeinflussten nicht die Diskriminierungsleistung, wenn sie einige Tage vor dem initialen Training appliziert wurden. Die Befunde belegen, dass Inhibitoren der Proteinsynthese, die nach Akquisition der Diskriminierungsreaktion in den AC des Gerbils verabreicht werden, mit Aspekten des Lernens und der Gedächtnisbildung interferieren. Das daraus resultierende Defizit in der Diskriminierungsleistung war über mehrere Tage nachweisbar und beruht wahrscheinlich auf einer Beeinträchtigung der Gedächtniskonsolidierung, d. h., von Prozessen, die für Langzeit-Stabilisierung und/oder Abrufung des Gedächtnisses benötigt werden, während das Kurzzeitgedächtnis intakt bleibt. Wird Rapamycin (RAPA), dass mit der Translationsaktivität nur bestimmter mRNA-Subgruppen interferiert, nach dem Training von Gerbils zum Erwerb einer FM-Diskriminierungsreaktion in den Hörkortex verabreicht, so führte dies zu keinerlei Beeinträchtigung der nach 24 Stunden im Vergleich zu Kontrolltieren gemessenen Diskriminierungsleistung. Am darauf folgenden Tag sind jedoch Diskriminierungsdefizite nachweisbar. Ein Kompetitionsversuch mit FK506 zeigte, dass der Effekt von RAPA aufgehoben werden kann. Dies könnte bedeuten, dass Mechanismen der Regulation der Initiation der Translation für die langfristige Stabilisierung der FM-Diskriminierungsreaktion benötigt werden. Ferner konnte gezeigt werden, dass es zu Veränderungen in der Expression von mRNAs im AC des Gerbils fünf Stunden nach initialem FM-Diskriminierungstraining kommt. Was zu der Annahme führt, dass auch transkriptionelle Prozesse an der Konsolidierung einer Diskriminierungsreaktion im AC des Gerbils beteiligt sind. In dieser Arbeit wurde erstmals gezeigt, dass transkriptionelle Veränderungen und Proteinsynthese-abhängige Prozesse sowie möglicherweise Mechanismen der Regulation der Initiation der Translation im AC des Gerbils für Konsolidierung, langfristige Stabilisierung und/oder Abrufung eines Gedächtnisses für die FM-Diskriminierungsreaktion eine Rolle spielen.
Schlagwörter :Gerbil auditorischer Kortex Langzeitgedächtnis Proteinsyntheseinhibitor Genexpression
Rechte :Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
Größe :108 Bl.
 
Erstellt am :18.09.2008 - 09:11:02
Letzte Änderung :22.04.2010 - 08:35:18
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