Objekt-Metadaten
Einfluss frühkindlicher Sozialerfahrung auf die funktionelle Reifung des anterioren cingulären Cortex der Strauchratte (Octodon degus)

Autor :Carina Helmeke
Herkunft :OvGU Magdeburg, Fakultät für Naturwissenschaften
Datum :24.07.2003
 
Dokumente :
Dataobject from HALCoRe_document_00004578
 
Typ :Dissertation
Format :Text
Kurzfassung :Ein für das Überleben der Nachkommen bedeutender Lernprozess ist die Herausbildung einer emotionalen Bindung zwischen dem Neugeborenen und seinen Eltern. Unsere Arbeitshypothese postuliert, dass diese emotionale Bindung über die kontinuierliche Interaktion mit der Bezugsperson nicht nur das spätere emotionale Verhalten, sondern auch die Reifung limbischer Hirnregionen prägend beeinflusst. Diese Hypothese sollte im Rahmen der vorliegenden Arbeit mithilfe verschiedener methodischer Ansätze überprüft werden. Am Tiermodell Octodon degus untersuchte ich, welche Art von Veränderungen der früh postnatalen sozio-emotionalen Umgebung die synaptische Entwicklung im limbischen anterioren cingulären Cortex beeinflussen können. Darüber hinaus wurden erfahrungsinduzierte Veränderungen der neuromodulatorischen Systeme quantitativ untersucht. Eine, beginnend mit dem ersten Tag nach der Geburt, tägliche einstündige Trennung von den Eltern führt am 21. Lebenstag (Zeitpunkt vor der Entwöhnung von der Mutter) zu einer erhöhten Dichte dendritischer Spines im limbischen anterioren cingulären Cortex. Die chronische Trennung vom Vater, beginnend mit dem ersten Tag nach der Geburt, bewirkt hingegen eine Reduktion dendritischer Spines im anterioren cingulären Cortex. Die Aufzucht in großen Volieren führt zu signifikant geringeren Spinedichten im Vergleich zur Aufzucht in Standardkäfigen. Eine tägliche einstündige Trennung von den Eltern führt am 45. Lebenstag zu einer phasenspezifischen und regionsspezifischen veränderten Balance von neuronalen GABAergen Subpopulationen in den verschiedenen Subregionen des Präfrontalcortex, einschließlich dem anterioren cingulären Cortex. Bei den elternseparierten Tieren ist die Gesamtpopulation der GABAergen Neurone erhöht. Separationsinduzierte Veränderungen stressrelevanter neuronaler Subsysteme, d.h. Neurone die Corticotropin-Releasing-Hormone enthalten (und zum Teil auch GABAerg sind), zeigten sich im präfrontalen Cortex in diesem Altersstadium nicht. Die pharmakologische Studie ergab, dass die Gabe eines Antagonisten gegen den serotonergen 5HT1A-Rezeptor die separationsinduzierte Vermehrung von exzitatorischen Spinesynapsen blockieren kann. Diese Resultate stehen prinzipiell im Einklang mit unserer Arbeitshypothese, dass frühe postnatale Veränderungen der sozio-emotionalen Umgebung die Entwicklung von exzitatorischen synaptischen Verbindungen und von inhibitorischen Interneuronen in limbischen Cortexarealen modulieren können. Die beobachteten erfahrungsinduzierten Veränderungen im anterioren cingulären Cortex können als Anpassung der neuronalen Verbindungen an veränderte sozio-emotionale Umweltbedingungen interpretiert werden. Es ist zu vermuten, dass solche erfahrungsinduzierte Prägung des limbischen Systems die psychosozialen und kognitiven Kapazitäten im Erwachsenenalter determinieren.
Rechte :Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
 
Erstellt am :03.09.2008 - 07:48:50
Letzte Änderung :22.04.2010 - 08:06:36
MyCoRe ID :HALCoRe_document_00004578
Statische URL :http://edoc.bibliothek.uni-halle.de/servlets/DocumentServlet?id=4578