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Der Einfluss des mentalen Lernens auf die Technikoptimierung in der Kampfsportart Judo unter den Bedingungen der Grundausbildung : dargestellt an der Technik "O-Goshi"

Autor :Mohamed Khafagy
Herkunft :OvGU Magdeburg, Fakultät für Geistes- Sozial- und Erziehungswissenschaften
Datum :31.01.2005
 
Dokumente :
Dataobject from HALCoRe_document_00004101
 
Typ :Dissertation
Format :Text
Kurzfassung :Eine Verbesserung einer Handlung bzw. einer sportlichen Bewegungsausführung ist immer mit einem Lernprozess, der Aneignung verschiedener Fähigkeiten und Fertigkeiten, verbunden. Es müssen Informationen mittels Sinnesorgane mehr oder weniger bewusst im Gehirn aufgenommen und verarbeitet werden. In der Psychologie werden diese verarbeitenden Prozesse als kognitive Prozesse bezeichnet. Für eine Optimierung dieser Prozesse sowie für die Verbesserung von Bewegungsabläufen ist ein intensives motorisches Training notwendig. Zur Verbesserung der kognitiven Prozesse wird das mentale Training genutzt. Unter mentalem Training û es wird auch als ideomotorisches Training bezeichnet - versteht man das Erlernen oder Verbessern eines Bewegungsablaufes durch intensives Vorstellen ohne gleichzeitiges tatsächliches Üben (Rieder & Lehnertz, 1991). Damasio (2000) verwendet den Begriff Repräsentation entweder als Synonym für mentale Vorstellung oder als Synonym für neuronales Muster. Eine derartige Repräsentation stellt kein einheitliches Gebilde dar und wird in ihrer Vielfalt in den zuständigen Assoziationsarealen des Kortex abgebildet. In abstrahierter Form kann sie vorwiegend durch bildlich-räumliche, kinästhetisch-taktile und sprachlichsymbolische Anteile ausgewiesen werden. Diese Anteile sind aufeinander bezogen und haben unterschiedliche Funktionen bei der Bewegungsregulation. Die sprachlich-symbolische Repräsentation dient beispielsweise als Basis für die Verarbeitung verbaler Instruktionen, während die kinästhetische Repräsentation von grundlegender Bedeutung für die Verarbeitung propriorezeptiver Informationen ist. Unter Annahme dieser Prämissen könnten mentale Repräsentationen als eine Eigenschaft mentaler Prozesse verstanden werden, die diese befähigt, durch die Verknüpfung bisher unverbundener Informationen neue kognitive und motorische Muster hervorzubringen, die u.a. die Verfahrensweise für die Lösung einer Bewegungsaufgabe (sportliche Technik) in der Vorstellung des Sportlers bedingen. Demzufolge unterscheiden wir eine kognitive als auch eine motorische Komponente der mentalen Bewegungsrepräsentation. Die kognitive Komponente enthält bildlichräumliche und sprachlich-symbolische Anteile. Die motorische Komponente schließt kinästhetisch-taktile sowie präzisierte bildlich-räumliche Anteile ein. Meiner Untersuchungen wurden unter folgendem Aspekt durchgeführt: Kann mit Hilfe des mentalen Übens die kognitive Komponente der Bewegungsrepräsentation der Technik äO-Goshiô entwickelt werden, und inwiefern wird die motorische Ausführung des Wurfes dadurch beeinflusst? Die Untersuchungen wurden am Beispiel der Kampftechnik äO-Goshiô mit einer Experimentalgruppe 1 durchgeführt, die nur mental übte, sowie einer Experimentalgruppe 2, deren Ausbildung sowohl mental als auch motorisch erfolgte. Die Probanden beider Gruppen waren Sportstudenten in der Judo-Grundausbildung. Die Erfassung der Veränderungen der kognitiven Komponente vor und nach den Übungsphasen konnte mit Hilfe eines Prätest-Posttest-Designs vorgenommen werden. Als Indikatoren für den Lerngewinn fungierten unter der Vergabe von dreizehn Schwierigkeitsstufen die Reduzierung des Zeitverbrauchs von kognitiver und motorischer Zeit in Bezug auf Bildreihungs- und Bildzuordnungsaufgaben sowie die zunehmend richtige Zuordnung von Bildern. Für die Kontrolle des Aufbaus und der Veränderung der motorischen Komponente bezogen wir uns im Rahmen des Prä- und Posttestes auf die Ausführung des Wurfes äO-Goshiô anhand der Bahnbeschleunigung des KSP des Tori. Der Vergleich erfolgte einerseits zwischen den Gruppen und andererseits zwischen jeder Gruppe und dem Leitmodell. Aus der Charakteristik der Bahnbeschleunigung ließen sich vier Abschnitte (Kuzushi, Tsukuri 1 und 2, Kake, Nage) ableiten, die zusätzlich mit einem Leitmodell verglichen wurden. Die statistische Bearbeitung des Zahlenmaterials erfolgte mit Hilfe des Wilcoxon-Testes bzw. U-Testes nach Mann & Whitney. Unter Zugrundelegung der eingangs aufgestellten Frage ergeben sich unter den spezifischen Bedingungen meiner Untersuchung spezielle Fragestellungen, zu denen ich Hypothesen aufgestellt habe. 1. Welche Auswirkungen hat die Anwendung eines Messplatztrainings auf die Verbesserung der kognitiven Komponente der mentalen Bewegungsrepräsentation? 2. Welchen Einfluss hat die veränderte mentale Bewegungsrepräsentation auf die Ausführung des Wurfes äO-Goshiô? 3. Welche Unterschiede bestehen hinsichtlich der Wurfausführung zwischen Sportlern, die nur mental üben und Sportlern, die sowohl mental als auch praktisch üben? Unter Berücksichtigung der Zielstellungen und der daraus abgeleiteten Hypothesen brachten die Untersuchungen unter den Bedingungen des Anfängertrainings (Grundausbildung) folgende nachstehende Ergebnisse: Mit Hilfe eines Messplatztrainings wird die Kognitive Komponente mit ihren bildlichräumlichen und sprachlich-symbolischen Anteilen einer Entwicklung unterzogen und dadurch verbessert. Mittels der Indikatoren äBilderrateô, äkognitive und motorische Zeitô habe ich diese Lerneffekte nachgewiesen. Ein Training mit Hilfe des Lernsystems äJudo-Mentalô führt zu einer Verbesserung der kognitiven Komponente der Bewegungsrepräsentation und zu einer Erhöhung der motorischen Kompetenz. Der Effekt ist jedoch bei der nur mental übenden Experimentalgruppe 1 nicht in dem Umfang festzustellen wie bei der zusätzlich motorisch übenden Experimentalgruppe 2. Bei den Sportler, die zusätzlich ein praktisches Training absolviert haben, wurde die motorische Komponente der mentalen Bewegungsrepräsentation mit Informationen über den realen Bewegungsablauf angereichert. Infolgedessen erzeugt die Vorstellung über die Bewegung einen Effekt, der sich in der realen Bewegungsausführung im Sinne einer stärkeren Annährung an das Leitmodell der Technik äO-Goshiô niederschlägt. Bei der Experimentalgruppe 1, die nur kognitive Komponente der Bewegungsrepräsentation entwickelte, wurde diese Annnährung nur in geringerem Maße möglich. Literatur: Damasio, R. D. (2000). Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins. München: List. Rieder, H. & Lehnertz, K. (1991). Bewegungslernen und Techniktraining. Schorndorf: Hofmann.
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Erstellt am :01.07.2008 - 06:52:30
Letzte Änderung :22.04.2010 - 08:02:15
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