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Klimawandel, Wetterextreme und private Schadensprävention : Entwicklung, Überprüfung und praktische Anwendbarkeit der Theorie privater proaktiver Wetterextrem-Vorsorge

Autor :Torsten Grothmann
Herkunft :OvGU Magdeburg, Fakultät für Geistes- Sozial- und Erziehungswissenschaften
Datum :06.12.2005
 
Dokumente :
Dataobject from HALCoRe_document_00004044
 
Typ :Dissertation
Format :Text
Kurzfassung :Rate und Ausmaß des Klimawandels in den letzten Jahrzehnten sind einzigartig. Für die Zukunft wird mit einem weiter beschleunigten Klimawandel gerechnet. Aufgrund der Trägheit des Klimasystems wirkt sich die Reduzierung der Treibhausgasemissionen erst in Jahrzehnten bis Jahrhunderten auf das Klimasystem aus. Daher ist zusätzlich die Anpassung an den Klimawandel notwendig. Von den Auswirkungen des Klimawandels stellt die Zunahme von Wetterextremen (z.B. Starkniederschläge, Hitzewellen) die größte Bedrohung für Menschen und soziale Systeme dar. Aufgrund ihres hohen Schadensvermeidungspotenzials sollte die private proaktive Schadensvorsorge der Betroffenen (z.B. von Bewohnern hochwassergefährdeter Gebiete) ein Element einer Gesamtstrategie zur Anpassung an Klimawandel und Wetterextreme darstellen. Allgemein ist die private Schadensvorsorge gering ausgeprägt, insbesondere in Gebieten, die bisher nicht von Wetterextremen betroffen waren, aber unter den Bedingungen des Klimawandels gefährdet sind. Zu den Einflussfaktoren privater Schadensprävention gegenüber dem Klimawandel und Wetterextremen existiert nur wenig Forschung. Ziel der vorliegenden Dissertation ist es, die psychologischen Einflussfaktoren und Förderungsmöglichkeiten der privaten proaktiven Vorsorge gegenüber dem Klimawandel und Wetterextremen zu identifizieren, wobei auf Deutschland fokussiert wird. Kapitel 1 stellt die bisherige psychologische Forschung zu Klimawandel und Naturgefahren kritisch dar. Aufbauend auf dieser Literatur und dem psychologischen Modell der Schutzmotivationstheorie entwickle ich die integrative sozio-kognitive Theorie privater proaktiver Wetterextrem-Vorsorge (TPPW). Kapitel 2 stellt die empirische Überprüfung der TPPW in zum Teil längsschnittlichen telefonischen Befragungen von 996 Bewohnern hochwassergefährdeter Gebiete Deutschlands dar, wobei Ost- und Westdeutschland verglichen und Veränderungen in der privaten Schadensvorsorge durch zuvor erhobene psychologische Einflussfaktoren erklärt werden. Die Ergebnisse der Befragungen stimmen zu großen Teilen mit der TPPW überein. Der positive Effekt direkter Hochwassererfahrung auf die private Schadensvorsorge ist zu großen Teilen über kognitive Faktoren vermittelt. Wichtig sind insbesondere Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zur Möglichkeit und Wirksamkeit privater Schadensprävention – sowohl für die Entwicklung von Absichten zur privaten Hochwasservorsorge als auch deren Realisierung. Wahrnehmungen hohen persönlichen Hochwasserrisikos zeigen einen positiven Einfluss auf Vorsorgeabsichten nur bei Personen mit hohen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, während Wahrnehmungen katastrophalen Risikos zur Abnahme der Vorsorgeabsichten selbst bei Personen mit hohen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen zu führen scheinen. Wahrnehmungen des Klimawandels zeigen positive Beziehungen zu Wahrnehmungen persönlichen Hochwasserrisikos. Das Vorsorgehandeln von Nachbarn übt einen positiven Einfluss auf Selbstwirksamkeitsüberzeugungen aus. Der erwartete vermindernde Effekt persönlicher Schadensprävention auf die psychische Belastung, verursacht durch die Angst vor zukünftigen Hochwasserereignissen, zeigt sich nur bei den Befragten, die schon von mindestens zwei Hochwässern betroffen waren, und wird umso deutlicher, je mehr Hochwässer sie erlebt haben. Keine oder sehr geringe Effekte auf die Vorsorgeabsicht und das Vorsorgehandeln zeigen moralische Überzeugungen (subjektive Norm und wahrgenommene Verantwortung für private Schadensvorsorge), Vertrauen auf Schadensausgleich (durch Versicherungen, den Staat oder private Spenden), Vertrauen auf die persönliche reaktive Schadensvorsorge und die Absicht zum Wegzug aus dem hochwassergefährdeten Gebiet. Kapitel 3 entwickelt – auf Basis der Studienergebnisse aus Kapitel 2 und Ergebnissen angewandter psychologischer Forschung – detaillierte Interventionsstrategien zur Förderung privater proaktiver Anpassung an den Klimawandel und Wetterextreme.
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Erstellt am :24.06.2008 - 07:29:53
Letzte Änderung :22.04.2010 - 08:28:33
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