Objekt-Metadaten
Louis Spohr und die "Kasseler Schule" : das pädagogische Wirken des Komponisten, Geigenvirtuosen und Dirigenten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Autor :Ronald Dürre
Herkunft :OvGU Magdeburg, Fakultät für Geistes- Sozial- und Erziehungswissenschaften
Datum :05.11.2004
 
Dokumente :
Dataobject from HALCoRe_document_00004034
ronduerre.pdf ( 4458  kB)    ZIP generieren   Details >>
 
Typ :Dissertation
Format :Text
Kurzfassung :Louis Spohr (1784-1859) wird zu den herausragenden Vertretern europäischer Musik in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gezählt. Bekannt als Geigenvirtuose, Komponist, Dirigent, Orchestererzieher und Förderer des bürgerlichen Musiklebens erreichte er großen Erfolg als Musiklehrer und unterrichtete im Laufe seines Lebens mehr als zweihundert junge Geiger. Im Grenzbereich von Musikwissenschaft, Musikgeschichte, Musiksoziologie und Musikpädagogik untersucht die vorliegende Dissertation Louis Spohrs Lehrtätigkeit als Musiker und den musikwissenschaftlichen Terminus "Kasseler Schule" unter Berücksichtigung seiner beruflichen Laufbahn und dem Umfang seiner künstlerischen Leistung. Louis Spohr wurde in Braunschweig im Jahre 1784 geboren und starb in Kassel im Jahre 1859. Sein umfassendes Lebenswerk als hervorragender Musiker und Pädagoge hat seine Wurzeln in den bedeutsamen ideologischen, kulturellen und musikalischen Traditionen des 18. Jahrhunderts. Im Spannungsfeld widerstreitender ökonomischer, politischer, sozialer, ideologischer, kultureller und natürlich musikalischer Veränderungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fühlte sich Spohr verpflichtet, seinen Beitrag zur Bewahrung dieser Traditionen zu leisten. Bei der Untersuchung der "Kasseler Schule" verweist der Autor auf die frühen Lebensjahre, in denen Spohr seine Schule bildende Professionalität unter dem erzieherischen Einfluss seiner Eltern und seiner Schulbildung in Braunschweig erwarb. Diese frühe Bildung wurde geprägt von den humanistischen und philanthropischen Tendenzen, die ihren Ausgangspunkt in den Ideen des Zeitalters der Aufklärung hatten. Freimaurerei und reformpädagogische Bestrebungen hatten eine beträchtliche Wirkung auf seine Haupterwerbstätigkeit sowohl als herzoglicher Konzertmeister in Gotha als auch als Hofkapellmeister in Kassel, vor allem auf seine wahre Hingabe und Leidenschaft als Komponist, konzertierender Violinvirtuose, Lehrer und Förderer der bürgerlichen Musikkultur. Die Untersuchung der Lehrweise Spohrs und der entsprechende Verweis auf die "Violinschule", die von Spohr 1831 geschrieben wurde, führte zu der Erkenntnis, dass Spohr zu jener Zeit als erste Autorität auf dem Gebiet des deutschen Violinspiels musikdidaktische Konzepte in die Praxis umsetzte, die seiner Zeit weit voraus waren. Seine Lehrweise bestand nicht nur aus einem Unterricht, der am klassischen Musikideal ausgerichtet war. Mit der von ihm geübten Praxis einer ganzheitlichen Bildung und Ausbildung beeinflusste Spohr gleichermaßen die körperliche Stärkung und Abhärtung seiner Schüler, den Erwerb einer universellen Bildung, die Erörterung ästhetischer und geistig-weltanschaulicher Probleme und - mit der entsprechenden Anwendung erworbener musikalischer Fertigkeiten in der Praxis - die erfolgreiche Eingliederung in die Erwerbstätigkeit als Tonkünstler. Die untersuchende Betrachtung zur "Violinschule", die im Jahre 1832 in Wien veröffentlicht wurde, und vor allem die Forschungsergebnisse zur Lebensgeschichte der zahlreichen Schüler Spohrs sind dazu bestimmt, die wesentlichen Punkte der erörterten Thematik und die begriffliche Substanz des Terminus "Kasseler Schule" darzustellen. Die "Kasseler Schule" fand über die von Spohr ausgebildeten Musiker ihre größte Verbreitung in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland, wo viele von ihnen als Kapellmeister, Musikdirektoren, Konzertmeister, Orchestermusiker und Geigenlehrer in seinem Sinne tätig waren. Aber auch in anderen Teilen Deutschlands und weit über die Grenzen hinaus in Dänemark, England, Finnland, Holland, Norwegen, Russland, Schweden, in der Schweiz und in den USA verbreiteten von Spohr und seiner "Kasseler Schule" ausgebildete Musiker die deutsche Spieltechnik und den Aufführungsstil. Dieser Stil war eng mit Spohrs Namen verbunden und wurde vom Publikum auf Konzertreisen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts außerordentlich bewundert. Als Ergebnis der vorliegenden Untersuchung kann die "Kasseler Schule" nicht als ein Phänomen definiert werden , das nur darauf beschränkt ist, eine deutsche Schule des Violinspiels zu sein, die auf Spohrs Individualstil basiert. Darüber hinaus kann sie auch nicht als Musikschule im Zusammenhang mit der zunehmenden Institutionalisierung und Kommerzialisierung des tonkünstlerischen Wirkens und Schaffens sowie der Gründung musikalischer Lehranstalten und Konservatorien in jener Zeit betrachtet werden. Ausgehend von ihrer gesamten künstlerischen und stilistischen Leistung erhöhten Spohrs erfolgreich und nachhaltig wirkende ehemalige Schüler die Bedeutung der "Kasseler Schule" in der Musikgeschichte. Unter dem Einfluss der besonderen Bemühungen um die für den Humanismus typische Universalität förderten Spohr und seine "Kasseler Schule" eine fruchtbare Einheit von tonkünstlerischen, pädagogischen und geistig-weltanschaulichen Aspekten in der berufsorientierenden Instrumentalausbildung junger Musiker.
Rechte :Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
 
Erstellt am :23.06.2008 - 08:41:30
Letzte Änderung :22.04.2010 - 08:30:24
MyCoRe ID :HALCoRe_document_00004034
Statische URL :http://edoc.bibliothek.uni-halle.de/servlets/DocumentServlet?id=4034