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Kultivation und Imagination in den Neuen Medien

Autor :Henning Breuer
Herkunft :OvGU Magdeburg, Fakultät für Geistes- Sozial- und Erziehungswissenschaften
Datum :27.06.2001
 
Dokumente :
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Typ :Dissertation
Format :Text
Kurzfassung :Wie die Science Fiction zeigt, heißt eine Technologie vorstellen, sich eine Lebensform vorzustellen. Diese Arbeit dient dem Verständnis und der Gestaltung von Prozessen der Entwicklung von Software- und Multimediaprodukten als kultureller und identitätswirksamer Medien. Während arbeits- und organisationspsychologische Studien zur Software- und Multimediaentwicklung den dabei entstehenden Produkten und der Materialität der verwendeten Medien wenig Beachtung schenken, vernachlässigen die an den künftigen Nutzer der Softwareprodukte orientierten Arbeiten zur Mensch-Computer-Interaktion und zur Softwareergonomie die Prozesse, deren Vollzug und deren widerständige Momente zur konkreten Ausgestaltung der Technologien führen. Selbst neuere Arbeiten aus dem Bereich der Technikgeneseforschung vernachlässigen weitgehend diesen Zusammenhang. Im Rahmen einer Promotion wurde versucht, zunächst theoretisch eine integrative Perspektive zu entwickeln, die der spezifischen Ausprägung der Produkte in Abhängigkeit von den ihnen zugrundeliegenden Entwicklungsprozessen angemessen Rechnung trägt. Entwicklungspsychologische und technikgenetische Ansätze werden in ein kultivationstheoretisches Konzept integriert. Das Kultivationskonzept akzentuiert die Entwicklung kultureller Artefakte als Medien der Identitätsentwicklung. Der Zusammenhang von Entwicklungsprozess und Interfacegestaltung wird im Ineinandergreifen individueller, sozialer und gegenständlicher Momente untersucht. Eine historische Aufarbeitung unterschiedlicher Leitbilder liefert einen Hintergrund für die Analyse der konkreten Transaktionen zwischen Individuum, Gruppe und Produkt. In diesen Transaktionen werden Imagination und technische Leitbilder wirksam, modifiziert oder fallengelassen. Aus ihnen gehen zunächst über Skizzen und Prototypen die den neuen Anwendungen eigenen Nutzungsmöglichkeiten und -grenzen hervor. Die in rationalistischen Handlungs- und Organisationsmodellen sowie bei einer einseitigen Orientierung der Interfacegestaltung an Kriterien der Effektivität und Effizienz vernachlässigte Rolle der Imagination in der technischen Entwicklung wird herausgearbeitet. Die Frage nach dem Zusammenhang individueller, sozialer und gegenständlicher Momente konzentriert sich in dieser Perspektive auf die Frage, wie individuelle Imagination, kollektive Leitbilder und die Gestaltung der Nutzerschnittstellen im Entwicklungsprozess zusammenspielen. In einer empirischen Fallstudie wurde das Zusammenspiel von Prozessen der Individuierung und der Interfacegestaltung nachgezeichnet. Auf einer Prozessebene wurde in einer Fallstudie ein Projekt zur Interfacegestaltung in der Software- und Multimediaentwicklung begleitet. Die individuellen Perspektiven und Orientierungen wurden mit Hilfe von Interviews, die soziale Interaktion anhand von Sitzungsprotokollen und die gegenstandsbezogene Tätigkeit mit Hilfe von Protokollen lauten Denkens sowie anhand der entstandenen Skizzen und Prototypen erhoben. Eine inhalts- und metaphernanalytische Interpretation von Interviews und Prozessprotokollen liefert unterschiedliche Prozessmodelle und Leitbilder der Entwicklung. Exemplarisch werden Hypothesen zu den Faktoren generiert, die den Entwicklungsprozess konstituieren und maßgeblich entweder zur Individuierung der Beteiligten oder zur Produktgestaltung beitragen. Schließlich werden Hinweise für die weitere Analyse und Gestaltung der Interfaces und ihrer Entwicklungsprojekte gewonnen.
Rechte :Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
 
Erstellt am :23.06.2008 - 08:12:03
Letzte Änderung :22.04.2010 - 08:03:54
MyCoRe ID :HALCoRe_document_00004028
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